Keine Angst vor Hiobsbotschaften! Tipps für den Umgang mit negativen Reaktionen
Die Aussicht, mit Frust, Wut und Ablehnung umgehen zu müssen, versetzt selbst gestandene Führungskräfte in akute Redeangst. Was macht eine gute Krisenrede aus und wie geht man mit negativen Reaktionen um? Darum geht es in diesem Beitrag.

Welcher Satz wirkt vertrauenswürdiger?

„Wir sehen herausfordernde, aber zugleich spannende Entwicklungspotenziale.“

Oder:

„Die nächsten Monate werden extrem schwierig.“

In Krisensituationen klar und prägnant zu sprechen, fällt selbst geübten Rednerinnen und Rednern schwer. Das ist verständlich. Mit Offenheit und Transparenz macht man sich angreifbar, und die Emotionen, die Hiobsbotschaften möglicherweise im Publikum auslösen, sind schwer kontrollierbar. Die Aussicht, mit Enttäuschung, Frust, Wut und Ablehnung umgehen zu müssen, versetzt selbst gestandene Führungskräfte in akute Redeangst. Statt Klartext zu reden, greifen viele deshalb lieber zu rhetorischen Weichspülern, wenn schlechte Nachrichten zu überbringen sind:

Sie verstecken die Wahrheit hinter Phrasen, Floskeln und Fremdwörtern.

Sie reden um den heißen Brei herum.

Sie beschönigen.

Sie verbreiten künstlichen Optimismus.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter merken, wenn Wichtiges unausgesprochen bleibt oder unangenehme Wahrheiten verschleiert werden. Das nährt Unsicherheit, Misstrauen und Zwietracht.  Gerade in Krisensituationen braucht es aber Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Zusammenhalt. Eine gute Rede ist eines der wirksamsten Führungsinstrumente, weil sie entscheidend zu Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Zusammenhalt beitragen und Menschen von notwendigen Veränderungen überzeugen kann.

Was macht eine gute Krisenrede aus?

  1. Sie reduziert Angst und Unsicherheit: Menschen suchen in Krisen nach Sicherheit und Orientierung. Mit einer klaren, ruhigen Sprache und einer Argumentation, die auf Ängste eingeht, vermitteln Führungskräfte, dass sie die Lage verstanden haben.
  2. Sie schafft bzw. stärkt Vertrauen und Glaubwürdigkeit: Ehrlichkeit weckt Vertrauen, Herumgeschwurbel nicht. Klar und verständlich erklären, was Sache ist, trägt auch dazu bei, dass die Zuhörenden sich respektiert fühlen.
  3. Sie stärkt das Gemeinschaftsgefühl: Eine gute Krisenreden schweißt zusammen. Sie gibt den Zuhörenden das Gefühl, mit Ängsten und Sorgen nicht allein zu sein und gemeinsam etwas bewirken zu können.
  4. Sie vermittelt Handlungsfähigkeit: Krisen erzeugen Ohnmachtsgefühle. Klare Prioritäten, konkrete Schritte und nachvollziehbare Maßnahmen geben Orientierung und eröffnen Gestaltungsspielraum.
  5. Sie fördert die Motivation: Wenn in einer Rede trotz düsterer Aussichten auch das Licht am Horizont sichtbar wird, kann die Bereitschaft entstehen, einen beschwerlichen Weg mitzugehen.
  6. Sie entschärft Konflikte: Eine gute Krisenrede erkennt die Sorgen unterschiedlicher Personen und Gruppen an und weckt Verständnis für unterschiedliche Positionen Damit wirkt sie Polarisierung und Schuldzuweisungen entgegen.

 

Neben einer sorgfältigen Vorbereitung können folgende Strategien helfen, mit der Angst vor negativen Reaktionen auf eine Krisenrede umzugehen.

1. Verstanden werden wollen, nicht gefallen wollen

Viele Menschen sprechen nur dann klar, wenn sie sicher sind, dass andere positiv reagieren. Bei Hiobsbotschaften gibt es diese Sicherheit nicht. Wichtig ist deshalb die innere Haltung: „Das Publikum muss mich nicht mögen. Es soll mich aber verstehen.“ Diese Haltung lässt sich im Coaching trainieren.

2. Emotionen nicht persönlich nehmen

Wenn Menschen zunächst enttäuscht oder verärgert auf eine Rede reagieren, bedeutet das nicht, dass die Rede schlecht ist oder der Redner, die Rednerin versagt hat. Emotionen sind kein Angriff. Sie sind oft einfach Ausdruck von Stress. Wer das im Hinterkopf behält, bleibt ruhiger und kann klarer kommunizieren.

3. Pausen aushalten

Gerade in schwierigen Situationen neigen die meisten Menschen dazu, unangenehme Stille sofort zu füllen. Konfrontiert mit harten Wahrheiten brauchen Zuhörende aber etwas mehr Zeit, um das Gesagte nachzuvollziehen und gedanklich zu verarbeiten. Eine Pause wirkt souveräner als ein rhetorisches „Augen zu und durch“. Wer Stille aushält, strahlt Stabilität aus.

4. Empathisch bleiben, ohne die Botschaft abzuschwächen

Klare Kommunikation und Mitgefühl schließen sich nicht aus. Empathie bedeutet nicht, unangenehme Wahrheiten zu verschweigen und Konflikte zu vermeiden. Empathie bedeutet, Menschen ernst zu nehmen und auf ihre Sorgen einzugehen.

Diesen Beitrag teilen

Andere Posts

Kostenloser Download

Abonniere meinen wöchentlichen Newsletter Redetipps für Rampenscheue, und ich schenke Dir mein E-Book Erste Hilfe gegen Redeangst: 11 wirksame Rezepte legendärer Rednerinnen und Redner.

Consent Management Platform von Real Cookie Banner